Therapie + Hund: Ausbildung + Voraussetzungen

Wer eine Weiterbildung für sich und seinen Hund als „Besuchshunde- Team“ z.B. in Altenheimen, Schulen oder anderen Einrichtungen wünscht, kann Teilmodule des Kurses buchen. Beide Weiterbildungen bieten ganz sicher viele Chancen und Möglichkeiten, seinen Hund besser kennen zu lernen und um sich als Team zu begreifen und zu erleben. Wichtig und erforderlich sind antürlich bestimmte Grundvoraussetzungen beim Hund ( Basistraining, Wesensfestigkeit, sehr gute Sozialisierung - siehe Unterpunkt).

Die praktische Weiterbildung  besteht aus vielen Übungen und zunächst aus nachgestellten Situationen. Hauptthemen sind Grundgehorsam, Aggressionslosigkeit und  Wesensfestigkeit in allen Situationen – ohne daß beim Training zu viel Streß oder Druck aufgebaut wird! Der Hund wird an möglichst Vieles gewöhnt, was ihm bei seinen späteren Einsätzen begegnen könnte . In der Theorie wird sehr viel über das Wesen Hund vermittelt: Vom Welpen zum Junghund – Entwicklungsstufen, Entwicklungsabfolgen und ihre Bedeutung, über Sozialverhalten und Kommunikation (Spiel, Bindung, Kontaktaufnahme, Gruppendynamik)  sowie über das Lern- und das Streßverhalten des Hundes – (Körperliche, Psychische, Neurologische Erkenntnisse).

"Für mich und meine Hunde „Aisha“ und „Bruni“ war die Ausbildung als Therapiebegleithunde-Team ( 2011 – 2012) vor allem auch ein Weg zu einem tieferen, besseren Verständnis und zu einem Weg des gegenseitigen Vertrauens. Das an Euch für  das Zusammenleben mit  eurem Hunde weiter zu geben, ist mein persönliches Ziel. Seit zehn Jahren bin ich Dozentin bei der apakt-München und seit diesem Jahr auch im Leitungsteam. Wissen zu vermitteln und methodisches Arbeiten in Kombination mit praxisnahen Umsetzungsmöglichkeiten ist mein Schwerpunkt." Michaela Dreier

Unter Hundehaltern und Hundetrainern rückt ein neues Betätigungsfeld in den Focus: der sogenannte „Therapie-Hund“ (leider ein irreführend eingesetzter Begriff).  Es lassen sich noch viele ähnliche Begriffe und damit verbundene Einsatzmöglichkeiten zu diesem Thema finden wie z.B.  Hundebesuchsdienst, Schulhund, Helfer-Hund, Besuchshund, Service-Dog, Behindertenbegleithund, Blindenhund. Jeder hat seinen eigenen Aufgabenbereich und entsprechende Anforderungen an Hund und Halter. Im medizinischen, klinischen, sozialen und therapeutischen Kontext hat man sich nun auf bestimmte Definitionen und Begriffe geeinigt: Ein Therapiehund leistet "tiergestützte Therapie". Der Hund ist, richtig ausgebildet, in der Lage den behandelnden Menschen (Therapeut, Arzt, Psychologen, Psychotherapeuten) in der therapeutischen Interaktion mit dem Patienten zu unterstützen. Der Hund ist Co-Therapeut und wird gezielt in die Behandlung mit einbezogen. Der Hundehalter sollte entweder selbst eine therapeutische Ausbildung haben oder im Rahmen der Behandlung den Hund nach den Anweisungen und dem Auftrag des Therapeuten anleiten.
Besuchshunde besuchen z.B. Menschen in Pflege- und Altenheimen oder Menschen mit Demenz in ihrem Wohnumfeld. Hier spricht man von "tiergestützter Aktivität" die ebenfalls immer im Beisein der Bezugsperson, also des Hundehalters, ausgeführt wird. Bei der "tiergestützten Pädagogik" begleitet der Hund den Lehrer, der zugleich der Halter des Hundes ist, in den Schulunterricht. Auch hier ist eine spezielle Ausbildung von Hund und Halter erforderlich.

Ob nun als Besuchshund, Streichelhund, Schulhund oder im Einsatz der "tiergestützten Therapie": Mensch und Hund kommen in wichtigen Lebensabschnitten oder ungewöhnlichen Lebenssituationen mit einander in Kontakt, unterstützen und  begleiten sich und profitieren voneinander.

Grundvoraussetzungen beim Hund

Damit eine Interaktion – in unserem Fall – zwischen Mensch und Hund  - gelingen kann  wird dem Hund einiges abverlangt. Der  Grundgehorsam ist Voraussetzung und beinhaltet das  freudige Ausführen von Sitz und Platz und vor allem „Bleib“ auf Handzeichen. Letzteres bedeutet, daß der Hund an dem ihm zugewiesenen Platz verbleibt, auch wenn sich sein Besitzer mehrere Meter entfernt und andere Menschen und Tiere den Weg kreutzen. Weitere wichtige Punkte:  ein lockeres an der Leine gehen nicht nur beim Besitzer sondern auch bei fremden Personen, in verschiedensten Situationen und bei Begegnungen mit fremden Hunden und anderen Tieren. In vielen Einrichtungen sind mittlerweile Katzen, Hühner und Hasen im unmittelbaren Wohnumfeld weshalb  ein Jagd- und Hetzinstinkt unbedingt auszuschließen ist! Eine weitere Grundvoraussetzung daher: der Hund darf keinerlei Aggression gegenüber Mensch und Tier zeigen. Er muß es mögen, daß er manchmal von mehreren Menschen gleichzeitig angefaßt wird und bedrängt wird. Eine hohe Stresstoleranz und ein souveräner Umgang mit Geräuschen und Irritationen aller Art werden gezielt trainiert, ebenso daß der Hund in neuen, ungewöhnlichen Situationen nicht selbst Entscheidungen trifft oder panisch die Flucht ergreift  sondern immer die Nähe zum Halter sucht. Eine ganze Reihe von weiteren, erforderlichen  Verhaltensmustern wird über einen Eignungs- und auch Wesenstest abgefragt. Daß dieser unerläßlich ist – ebenso wie der Nachweis über die Gesundheit des Tieres, also regelmäßige Impfungen und Parasitenabwehr – ist Standard und wird  von den Einrichtungen auch gefordert.

Oft wird übersehen und auch unterschätzt, daß sowohl die Hunde als auch die Menschen einer enormen Belastung ausgesetzt sind. Die Erfahrung zeigt immer wieder, daß die Hunde nach  30 bis max. 60 Minuten Einsatz eine längere Auszeit von mehreren Stunden brauchen. Die verschiedenen Eindrücke, Stimmen, Gerüche und Geräusche stellen einen enormen Streßfaktor dar. Bis ein Hund in der Lage ist, zum ersten Mal in einer fremden Einrichtung in Kontakt mit Menschen zu gehen, bedarf es einer intensiven Ausbildung. Es ist aber unbedingt zu bedenken, daß die Ausbildung eines Therapiehundes sehr zeit- und kostenintensiv ist. Sie dauert  ca. zwei Jahre und kostet zwischen 1000.-  und 2000,- €, je nach Ausbildungs- und Trainingsstand eines Hundes.

Vorausetzungen beim Menschen

Auch der Mensch, der mit seinem Hund therapeutisch oder sozial in Einrichtungen tätig sein möchte, sollte sich im Vorab Gedanken darüber machen in wieweit ihm dies möglich ist. Nur durch eine offene, sich selbst gegenüber ehrliche Eigenklärung kann eine Überforderung gar nicht erst entstehen. Es gilt sich die Fragen zu beantworten: Was will ich? - Was kann ich? - Was traue ich mir zu? Möchte ich mit Senioren arbeiten, mit Schwerkranken,  mit Menschen mit Behinderung, mit Kindern und  Jugendlichen? Habe ich Berührungsängste und wenn ja, welcher Art? Ideal ist es,wenn der Hundehalter selbst schon eine therapeutische Ausbildung durchlaufen hat und bereits in einem pflegerischen, therapeutischen oder medizinischen Beruf tätig ist.  Es ist immer zu bedenken daß der Hundeführer für Mensch und Hund die Verantwortung trägt. Seinen Hund und dessen Signale in allen erdenklichen Lebenssituationen zu kennen und dann souverän zu reagieren ist unerläßlich. Zumal die Gefühlsübertragung zwischen Halter und  Hund nicht zu unterschätzen ist. Es liegt am Hundehalter, seinem Teampartner Hund Stabilität und Sicherheit zu vermitteln - nicht umgekehrt!

Sollten Sie Interesse an der Weiterbildung als Besuchshunde-Team oder im Therapie-begleithundeteam haben, kontaktieren sie mich für weiterführende Informationen.